Von Auroville/Indien nach Herzogenburg -
Wenn zwei eine Reise tun
Sabine Bacher und Gerhard Kunz, Mitbewohner*innen im “Garten der Generationen”, reisten Anfang 2026 nach Indien und da nach Auroville, in die “universelle Stadt”. Auroville ist eine internationalen Gemeinschaft von aktuell über 3000 Bewohner*innen, die seit 1968 besteht und als Experiment für die Menschheit gegründet wurde.
Dort begegneten die beiden Reisenden bemerkenswerten Menschen, die schon sehr lange Teil dieser Gemeinschaft sind und maßgeblich an ihrer Entwicklung mit beteiligt waren. Eine davon ist Meike, die bereits vor 50 Jahren aus Deutschland nach Auroville gekommen ist und dort ihre Wurzeln fest verankert hat. Im Schatten eines mächtigen Banyanbaums steht ihr atmosphärisches Häuschen im japanischen Stil, das sie mit ihren 85 Jahren noch pflegt und erhält und sich – wie sie nebenbei erzählt – auch noch um das Wohl von manch streunendem Hund in der Umgebung kümmert.
Vor einigen Jahren hat sie als Herzensprojekt aus innerster Motivation begonnen, Friedensfähnchen zu gestalten. Ganz persönlich und durchaus überraschend hat sie ihre liebevoll handgemachten Fahnen an Gerhard und Sabine überreicht, um diese als Friedens Statement hier in Österreich und besonders in der Gemeinschaft des Gartens der Generationen sichtbar zu machen. Verbindend von Gemeinschaft zu Gemeinschaft, so auch der Gedanke von Sabine und Gerhard dazu.
Ursprung der Idee zu diesen „Peace-Flags“
Handmade by Meike aus Auroville
Meike’s Inspiration begann in Dharamsala beim Dalai Lama, wo sie erstmals tibetische Flaggen sah. Damals war es für Ausländer kaum möglich, solche Flaggen zu erwerben und schon gar nicht sie als Ausländer selbst herzustellen – heute sind sie bekanntlich weit verbreitet.
Weiter inspiriert und angeregt von Mira Alfassa (der „Mutter“, Gründerin von Auroville), begann sie schließlich selbst Fähnchen zu gestalten, erst mit vier zentralen Sprachen: Englisch, Französisch, Sanskrit sowie Hindi oder Tamil. Dieses Konzept erweiterte sie zusehends durch die in Auroville vertretenen Nationen (damals 38, heute etwa 46) und zusätzliche Sprachen, die sie mithilfe anderer Menschen – ohne eigenen Computer – zusammentrug.
Herstellung der Flaggen
Sie verwendet Stoffreste aus dem Free Store, schneidet und näht alles per Hand und bemalt die Flaggen mit Acryl- bzw. Textilfarben. Diese fixiert sie mit einem alten Bügeleisen, das sie mangels Stroms auf einem Gasherd erhitzt.
Jedes Set ist ein Unikat: Im Zentrum stehen stets die vier Ursprungssprachen, von denen aus sich weitere Sprachen und Symbole – darunter auch das tibetische Om – nach außen entfalten.
nach Auroville gereist und dort geblieben. Rechts: Sabine fotografiert den Banyan Baum
Motivation
Meike wurde im Krieg geboren; das erste Geräusch, das sie hörte, waren rollende Panzer. Diese Erfahrung verfolgt sie bis heute in Form von Albträumen. Laute Geräusche wie Böller oder Explosionen sind für sie weiterhin belastend. Daraus entstand ihr tiefes Bedürfnis, einen Beitrag zum Frieden zu leisten.
Haltung
Auf die Frage nach Bezahlung antwortete sie klar: „Peace is not for sale.“
Sie verschenkt ihre Arbeiten ausschließlich und lehnt jede Form von Kommerzialisierung oder Massenproduktion ab. Jedes Stück bleibt ein handgefertigtes Einzelstück.
Wir, in der Community Garten der Generationen, freuen uns nun über die Präsenz dieser Friedensbotschaft aus fernen Landen, die mit viel Liebe, Freude zum Detail und aufgeladen mit friedvollen Gedanken hier am Eingang zu unseren schönen Seminarräumen ihren Platz gefunden haben.
Danke Meike!
Über die experimentelle Stadt Auroville
Auroville ist ein außergewöhnlicher Ort im Süden Indiens – ein Experiment, eine Vision und zugleich gelebte Realität. Etwa 150 Kilometer südlich von Chennai und nur wenige Kilometer von der Küstenstadt Puducherry entfernt, liegt diese internationale Gemeinschaft eingebettet in die Landschaft Tamil Nadus, gesäumt vom indischen Ozeam im Golf von Bengalen auch bekannt als die Coromandel Bucht. Rund 3.300 Menschen aus über 60 Nationen leben hier zusammen – vereint durch eine gemeinsame Idee.
Gegründet wurde Auroville im Jahr 1968 von Mirra Alfassa, bekannt als „Die Mutter“, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Roger Anger. Von Beginn an wurde das Projekt von der indischen Regierung und der UNESCO unterstützt. Doch Auroville ist weit mehr als nur eine Stadt – es ist der Versuch, eine neue Form des Zusammenlebens zu verwirklichen.
Die zentrale Vision Aurovilles ist die Einheit der Menschheit. Hier sollen Menschen unabhängig von Nationalität, Religion oder politischen Überzeugungen in Frieden und bewusster Harmonie miteinander leben. Auroville versteht sich als ein Ort, der keiner Nation gehört, sondern der gesamten Menschheit – ein Raum, in dem Menschen als Weltbürger zusammenkommen und sich an einer höheren Wahrheit orientieren.
Im Herzen der Stadt befindet sich das Matrimandir – ein stiller, kraftvoller Ort der Konzentration, der als „Seele Aurovilles“ gilt. Umgeben von einer weitläufigen Friedenszone und einem See, bildet es das Zentrum einer Stadt, die für bis zu 50.000 Einwohner geplant ist. Von hier aus erstrecken sich vier große Zonen – eine internationale, eine kulturelle, eine Wohn- und eine Industriezone – eingebettet in einen grünen Gürtel aus Wäldern, Feldern und Naturreservaten.
Links zum Schmökern und Schauen:
Eine kleine Friedensbotschaft auf unserem Instagram Kanal https://www.instagram.com/p/DYht968iHv3/
Über diese Webseite erfährst du mehr über Auroville: https://auroville.org/
Der komplette Indien Reisebericht und vielen Fotos von Gerhard Kunz:
https://www.gerhardkunz.at/indien-reise-2026